Voyce

Biografie

320.000 Kanal-Abonnenten, sechzig Millionen Video-Aufrufe, über 112.000 Fans bei Facebook, das dritterfolgreichste deutsche YouTube-Video des Jahres 2017… der Münchner Sänger, Songwriter und Produzent Voyce zählt zweifelsfrei zu den ganz großen Playern im Video-Streaming-Business. Kein Wunder also, dass der hochtalentierte Mittzwanziger, der sich in den vergangenen neun Jahren komplett in Eigenregie (!) eine spektakuläre Social-Media-Reichweite aufgebaut hat und dessen Kanal kontinuierlich starke Zuwachsraten aufweist, nicht erst seit gestern einer der begehrtesten Ansprechpartner für A&Rs aller Plattenfirmen ist. Anfang 2017 wurde das Interesse an dem Newcomer durch seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem DJ-Duo Gestört aber GeiL bei der Hitsingle »Millionen Farben« befeuert. Nach jahrelangem Buhlen um die Gunst des jungen Musikers fiel seine Wahl nun auf die Zusammenarbeit mit dem Berliner Label Four Music.

weiterlesen

„Es gab in den vergangenen Jahren viele Angebote von Leuten, bei denen ich allerdings schnell gemerkt habe, dass sie nur scharf auf den schnellen Profit waren, den sie sich aus meiner Reichweite versprochen haben“, erklärt er. „Jetzt hat es nach dem richtigen Zeitpunkt und dem richtigen Partner angefühlt, um selbst richtig Musik zu machen“.

 

Der explizite Hinweis auf den kompositorischen DIY-Charakter seiner kommenden Releases mag für den neutralen Betrachter durchaus ungewöhnlich anmuten, für Voyce-Fans ist die Kategorisierung aber durchaus relevant. Denn der (YouTube-)Output des jungen Münchners besteht zu etwa gleichen Teilen aus Eigenkompositionen und deutschen Versionen internationaler Hits. Seine bevorstehenden Four Music-Veröffentlichungen werden allerdings komplett Fremdrepertoire-frei sein.

 

Den Anfang macht die unglaublich catchy Debütsingle „Funkstille“, mit der Voyce in Kürze seinen offiziellen Einstand beim Sony Music-Label feiern wird. Der Song widmet sich einem Zustand, der  jedem vertraut sein dürfte. „Es geht um die Situation nach einem Streit, wenn keiner der beiden Parteien nachgeben will“, erklärt er. „Und obwohl beide Seiten an der herrschenden ‚Funkstille‘ verzweifeln, will keiner den ersten Schritt unternehmen“. Im Song gibt schließlich der männliche Ich-Erzähler klein bei und meldet sich. Authentisches Verhalten mit autobiographischem Hintergrund? „Wenn ich jetzt total cool sein wollen würde, dann würde ich sagen: ‚Ich warte, bis der andere ankommt‘“, schmunzelt er. „Aber in Wirklichkeit gebe ich schon nach. Aber jedes Mal sage ich: ‚Das war jetzt aber das letzte Mal!‘“

 

Neben einem möglichst großen Erfolg der Single liegt dem jungen Sänger und Songwriter die Nachhaltigkeit seiner Komposition am Herzen. „Es gibt Songs für so ziemlich jede Lebenslage, und ich möchte, dass dieses sehr persönliche Lied den Moment begleitet, den jeder kennt. Denn diese Funkstille kann einen wirklich fertig machen. Ich wäre sehr glücklich, wenn die Menschen ihn auch noch in zehn oder zwanzig Jahren hören.“ Für die Produktion wählte Voyce mit den Jugglerz (u.a. Bausa „Was du Liebe nennst“) deshalb eines der derzeit angesagtesten, besten und erfolgreichsten Studioteams.

 

„Funkstille“ ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs: insgesamt vierzig Songs, die allesamt in den vergangenen zwölf Monaten entstanden, hält der junge Musiker zur künftigen Veröffentlichung parat. Seinen allerersten Song verfasste Hannes Sigl (so sein bürgerlicher Name) bereits im Alter von elf oder zwölf Jahren. „Ich wollte meine damalige Freundin beeindrucken“ erinnert er sich. „Ich habe mir aus dem Internet Beats und Instrumentals geholt und dazu Melodien geschrieben und aufgenommen“. Nach anfänglicher starker Tendenz in Richtung HipHop, der es ihm in früher Jugend angetan hatte, rappte er zunächst vorzugsweise, später entwickelte sich sein Stil in Richtung gesungener Urban Pop.

 

Vor neun Jahren startete er den YouTube-Kanal „thisisvoyce“ der sein Leben komplett verändern sollte. Nachdem er sich zunächst kontinuierlich eine Fanbasis von etwa 20.000 Abonnenten aufgebaut hatte, bescherte ihm 2012 der Song „Mein Mädchen“ den Durchbruch: sensationelle vier Millionen Views stehen für die Eigenkomposition mittlerweile zu Buche. Die Erklärung, weshalb gerade dieses Stück unter den unzähligen YouTube-Uploads so durch die Decke ging, ist aus der Sicht des Autors denkbar simpel. „Ich habe den Song für meine damalige Freundin und jetzige Frau geschrieben, die auch im Video zu sehen ist“, sagt er. „Es ist sehr kitschig, aber auch einfach ein guter Song und sehr authentisch“. Mittlerweile sind auf seinem Kanal über knapp 150 Videos zu sehen, die z.T. Millionen Views verzeichnen.

 

Authentizität ist auch heute noch der größte Trumpf des charismatischen YouTube-Stars. Denn obgleich er seine Fans regelmäßig dazu ermutigt, ihm Wünsche für deutsche Coverversionen zu nennen, macht er um stilistisch unangemessene Genres wie Schlager einen großen Bogen und bleibt so extrem glaubwürdig. Zahlreiche Einsendungen erreichen ihn aber auch von anderen Kontinenten wie z.B. aus Kolumbien, teilweise mit euphorischen Danksagungen. „Es scheint tatsächlich so zu sein, dass viele Menschen meine Lieder als Deutschlern-Hilfe benutzen“, staunt er. „Ich übersetze die Songtexte zwar nicht 1:1 und Wort für Wort, doch Thema, Grundstimmung und Bedeutung behalte ich bei. Es muss sich allerdings reimen und die Silbenanzahl muss stimmen.”

 

Neben dem Majorlabel-Deal und dem Release-Debüt mit der Single „Funkstille“ steht dem Münchner in Kürze ein weiterer gravierender Lebenseinschnitt bevor: der Umzug aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Berlin. Die Gründe für die Verschiebung des Lebensmittelpunktes sind dabei rein pragmatischer Natur. „In Berlin finden jeden Tag irgendwelche Treffen und Gespräche statt, man trifft sich spontan zum gemeinsamen Songwriting“, erklärt er. „Ich hatte immer mehr das Gefühl, in München etwas zu verpassen.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Voyce seine Heimat verlässt (mit achtzehn zog er zum Studieren ins österreichische Klagenfurt), doch diesmal verlässt er München ohne konkrete Heimkehr-Pläne oder gar -Zeitfenster. Immerhin begleitet ihn diesmal seine Frau, die eine nicht unerhebliche Rolle beim überwältigenden Erfolg des YouTube-Kanals in den vergangenen Jahres spielte: sie fungierte als Kamerafrau, Produzentin und Regisseuren der millionenfach geklickten Voyce-Clips. „Der Ortswechsel wird bestimmt nicht einfach“, mutmaßt der zukünftige Exil-Münchner. „Wir sind schon stark in München verwurzelt, haben alle unsere Freunde und Familien hier.“ (Fun Fact: zu letzterer zählt u.a. sein Großonkel und Spider Murphy Gang-Frontmann Günther Sigl)

 

Eine weitere Eigenschaft wird dem jungen Musiker bei der bevorstehenden Emigration vom beschaulichen Bayern in die toughe Hauptstadt durchaus zu Gute kommen: „Ich mag ‚Hate‘-Kommentare“, schmunzelt er. „Immer, wenn man in den YouTube-Trends auftaucht, kommen neue User dazu, das macht sich sofort in den z.T. krassen Kommentaren bemerkbar. Und das gefällt mir. Ich habe noch nie einen gelöscht. Ich bin wirklich gespannt, was die Stadt aus mir macht.“

 

Wir auch.

schließen

Videos