MIA
MIA.

Biografie

„Wir haben MIA. nicht der Endlichkeit, sondern der Unendlichkeit wegen gegründet. Die Lust auf die gemeinsame Musik trägt uns immer bis zum nächsten Lied…“

…und offensichtlich auch ins mittlerweile dritte Jahrzehnt als Band. MIA. wurde 1997 in Berlin gegründet. Man kannte sich aus der Schule oder wurde einander über ein paar Ecken vorgestellt. „Musik ist Alles“ – über ihr Alleinstellungsmerkmal musste sich die Band nicht lange den kollektiven Kopf zerbrechen. Und weil sich zum ewigen Kostümfest Pop quasi jeder geladen fühlen darf, der seine überbordenden Ideen und Energien am liebsten musikalisch kanalisiert, mischten MIA. gleich zu Beginn gänzlich unverkrampft und vor allem erfrischend unbefangen das Stelldichein der Eitelkeiten auf. Mit Rotzigkeiten in Gesang und Akkorden, die wie Spiegelscherben auf dem dreckigen Großstadtasphalt lagen und das Leben reflektierten.

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Ihr Leben. Als Individuen und als Band. Und die Leben der vielen Aufbegehrenden, die einfach machen mussten, ohne nach dem Warum zu fragen. Eine von denen war die heutige Musikkünstlerin Balbina. Deren persönlicher MIA.-Moment war das erste Hören der 2002 erschienenen Single „Alles neu“ vom ersten amtlichen MIA.-Album „Hieb & Stichfest“. Balbina fühlte sich auch vom gleichnamigen Video unmittelbar dazu inspiriert, ihren kreativen Individualismus kompromisslos zu leben. Eigentlich, sagen die vier MIA.-Musiker, besitzt es nichts Wesentliches für sie, die eigene Historie Revue passieren zu lassen. Erst recht nicht in Form einer „Best Of“-Zusammenstellung. Markgesetzen widersetzt sich die Band seit ihrer Gründung so kantig wie erfolgreich. Die Idee, 20 Jahre MIA. durch die kreativen Augen anderer Künstler betrachten zu lassen, stammte folglich von der Band selbst.

Balbina hielt ihren MIA.-Moment kürzlich fest und eröffnete als erste Gratulantin zum 20-Jährigen mit „Alles neu 2017“, einer kompletten Neueinspielung und Neudeutung der ersten MIA.-Single, das Band-Jubiläum. Es werden bis Jahresende noch viele weitere folgen. Um die Spannung auf einem konstant hohen Überraschungs-Niveau zu halten, auch von Künstlern, deren entscheidender MIA.-Moment nie stattfand. Bislang zumindest nicht. Auf der Suche nach Inspiration im bisherigen Gesamtwerk der Band fündig zu werden, fällt nicht schwer. MIA. waren immer eigensinnig, eigenartig, eigenmächtig. Dem technokratisch geprägten Künstlerverständnis des Popularmusik-Betriebs verweigert sich die Kreativbande so auflagenstark wie unfreiwillig schlagzeilenträchtig. Der großen Hure Babylon zuzuarbeiten, war auch für MIA. mal einen Versuch wert. Um es mal ausprobiert zu haben. Das Resultat war die Einsicht, dass MIA. nur nach MIA. klingt, wenn die Band ihrem eigenen Pulsschlag folgt. Der zuckte freilich nie nur in Elektropop- oder Punk-Taktungen. Dafür ist die Band viel zu sehr Kunst. Und Künstler gehören zur raren Spezies gerissener Zeitgenossen, die immer einen Weg aus der Enge finden, um sie danach wieder hinterhältig auf deren Seite zu schlagen. Als Legitimation zum erneuten Ausbruchversuch.

Ob die musikalischen Resultate jeweils zeitgeistig, rund, kantig, laut oder leise genug waren, um in irgendeine externe Wahrnehmungsschablone gepasst zu haben? MIA. inspirierte nicht zuletzt auch etliche der kommenden 20 Jahre-Musik-Gratulanten, weil die Band wagte, sich und ihrem Sujet selbst treu zu bleiben. Gerade deshalb überzogen die vier überzeugten Musikreisenden ihren eigenen Song- und Alben-Katalog mit beinahe entwaffnend-lebensmutigem Zickzackmuster. „Hieb & Stichfest“ war 2002 damit beschäftigt, sich und die Band abzugrenzen und zwischen Bestehendes zu hauen. Auf „Stille Post“ ging es zwei Jahre später um die Worte hinter den Worten, weil man vorher wegen diverser Tabubrüche ordentlich auf die Fresse bekommen hatte. Der vergoldete „Zirkus“ war 2006 blanker Eskapismus und ein Nummer-2-Hit. „Willkommen im Club“ griff die Erfolgsfährte 2008 auf, öffnete aber mittels noch größerer stilistischer Bandbreite ein weiteres Kapitel des MIA.-Schaffens. „Tacheless“ wurde nach einer längeren Pause, vielen Gesprächen, Reflexionen und gezogenen Bilanzen als dunkles Statement der Band wahrgenommen. Dabei erschloss es vor allem weitere Räume, in denen alles stattfinden durfte – außer Reue. Auch das ist ein wichtiges Merkmal der MIA.-DNA: Lieber ausprobieren und das Scheitern in Kauf nehmen, als sich selbst eine Statistenrolle im eigenen Künstlerleben auf den Leib zu schreiben. Das nervt und nährt – seit nunmehr zwei Jahrzehnten und auch weit über das bislang letzte Album „Biste Mode“ und die 20 Jahre MIA.-Party hinaus.

MIA. ist für ihre vier Potentate mehr als eine Band. Es ist eine Haltung. Und es ist der Raum für Eigenwilligkeiten, die Strukturen und Enge trotzten. Dazu gehören zu wollen, Leuten nach dem Mund reden, fordert irgendwann seinen Tribut.

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